Wir sind keine Insel

Aktualisiert: 12. Dez 2018

Und wie wir als soziale Wesen unsere Individualität bewahren können.


Jedes Unternehmen und jede Familie, jeder Single, ist in einem Staat mit eigenen Gesetzmässigkeiten, Normen, Handlungsweisen und vorgegebenen Strukturen eingebettet. Wir sind, ob wir wollen oder nicht, von dieser kollektiven Energie beeinflusst. Es gibt universelle Naturgesetze und Prinzipien wie Gerechtigkeit, Vertrauenswürdigkeit, Ehrlichkeit, Beitrag, Respekt oder Integrität, die wir als Richtschnur unseres Handelns nehmen können. Es liegt an uns, daran zu halten. Aktuelle Studien aus der Hirnforschung bestätigen das, was wir schon immer geahnt haben. In uns sitzt ein tiefes Bedürfnis nach Verbundenheit mit gleichzeitigem Wunsch nach Wachstum und Freiheit. Wir benötigen beides, um überlebensfähig zu bleiben. Wie können wir frei und uns trotzdem verbunden fühlen?


Wir schlüpfen in viele Rollen und Masken und investieren viel Energie in Dinge, die uns nicht wirklich interessieren. Wenn wir in der Arbeit und in unserem Umfeld nicht in unserer Einzigartigkeit gesehen werden, fühlen wir uns nicht wertgeschätzt. In der Arbeitswelt werden Sie vielfach von jemanden als Objekt ihrer Bewertungen, Absichten, Ziele, Interessen, Belehrungen, Bewertungen oder Massnahmen gesehen. Das führt zu Irritation und Störung in uns. Wenn Sie zu einem Objekt von anderen gemacht werden, führt das zu körperlichen Schmerzen und Beschwerden. Sie werden immer jemanden finden, der Sie benutzt, um sich selbst auf Ihre Kosten bedeutsam zu machen. Das Schmerzempfinden ist ein Alarmsignal im Zusammensein mit anderen. Schwierig wird es mit Vorgesetzten, die andere für Ihre Zwecke benutzen, um sich selbst Sicherheit zu vermitteln. Gemeinschaften benutzen sich gegenseitig, damit es Ihnen gut geht. Eine solche Bevormundung ist nicht gesund für uns. Wegen der Sehnsucht nach Verbundenheit, geben viele Menschen Ihre Verantwortung ab. Das fängt schon früh in der Erziehung und Schule an. Wir versuchen dann auf unsere Weise Lösungen für diesen Schmerz zu finden, sei es mit Wut, Sarkasmus oder einer anderen Form von Aushöhlung unserer Würde. Wir suchen nach Entschuldigungen und Rechtfertigungen, um überlebensfähig zu bleiben. Wir können aber nicht unseren Lebensstandard verbessern, wenn wir ständig nur ums überleben kämpfen müssen.


Wir leben in einer Leistungs-, Konkurrenz- und Konsum-Gesellschaft. Ein solches System will sich immer selbst stabilisieren. In einer globalisierten und vernetzten Welt führt das in uns und ausserhalb zu grossen Konflikten. Die Fremdbestimmung und Beeinflussung einer solchen hierarchischen Ordnungsstruktur lässt uns immer weniger kreativ und innovativ werden. Schlussendlich fehlt vielen auch die Kraft, nach ihrem Gewissen zu handeln. Das Gesetz der Mehrheit hat ihre eigene Dynamik. Die Abhängigkeiten und der Zwang nach Anpassung werden grösser. In dieser Tretmühle und im Hamsterrad erkennt man sich als verschiedene Kopien des wirklichen Selbst. Manche leiden dann still und können kaum ihre einzigartige Stimme erheben. Das Wissenszeitalter hat uns immer noch nicht vom Industriezeitalter befreit. Der Mensch wird in vielen Unternehmen immer noch als Kostenfaktor und somit als Investition und Produkt angesehen. Anstatt unsere Talente am richtigen Ort sinnvoll einzusetzen, um unser Potential auszuschöpfen, verkümmern wir in Leerläufen oder in einer hierarchischen Kultur. Wir können uns dieser Realität nur schwer entziehen. Die gegenseitige Erwartungshaltung macht es nur noch schwerer, nach unserem Gewissen und Leidenschaften zu handeln. Wir reden zwar immer wieder darüber, können sie aber nicht wirklich ausleben. Die Sorgen und Ängste fressen sich in unser Alltag ein. Das verlagert sich auch in unser Privatleben. Der Lärm der Mehrheit ist schon längst in unsere Intimität eingebrochen und berührt unsere individuellen Gefühle und Bedürfnisse. Wenn wir nur nach den Vorteilen in Beziehungen suchen, den Liebeshunger in sexuellen Exzessen betäuben, wird das Abhängigkeit und Enttäuschung mit sich ziehen. Es ist eine zerstörerische Tendenz nach rücksichtsloser Unbescheidenheit, illusionären Erwartungen und trotzigem Beleidigtsein spürbar. Finden wir jedoch Selbstachtung, Selbstvertrauen, Zufriedenheit und innere Freiheit, sind wir auch in unserem Netzwerk und in den Beziehungen glücklicher.


Wenn Ihre Werte weniger von universellen Prinzipien gestützt werden, findet Ihre Unzufriedenheit genügend äussere Gründe. Sie müssen nicht dagegen ankämpfen oder ablehnen. In einer solchen Situation hilft vorerst nur die Akzeptanz im Sinne von zulassen, um der negativen Dynamik die Aufmerksamkeit zu entziehen. Verringern Sie die lähmende Vereinnahmung und die Fixierung. Werden Sie vom Betroffenen zum Beobachter. Es ist wie bei einem Radio mit vielen Sendern. Sie müssen zuerst innehalten, dann die Frequenz ändern und aktualisieren. Auch Dankbarkeit hat eine immense Kraft. Dadurch rückt die unmittelbare Gegenwart in den Vordergrund. Das wirkt wohltuend und verleiht Vitalität. Der Druck von der Aussenwelt nimmt ab. Geben wir kurzfristige Eigeninteressen auf und fokussieren uns an sozialen Werten, die mit allgemeingültigen Prinzipien wie zum Beispiel Aufrichtigkeit, Gerechtigkeit, Toleranz, Respekt oder liebevollen Wohlwollens im Einklang stehen, dringt das tief in unser Gewissen und somit auch in unsere Gewohnheiten ein. Der rechte Mass an Achtsamkeit ist schon ein grosser Schritt in die richtige Richtung. Soziale Kompetenz bedeutet, mit sehr vielen unterschiedlichen Menschen und Altersgruppen gemeinsam Probleme lösen zu können, Begegnungsorte zu finden und zu organisieren, wo wir neue Erfahrung machen können. In jedem von uns sind viele verborgene Potentiale und Möglichkeiten, was sich noch nicht entwickelt hat. Es ist nie zu spät, sich zu verändern.

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